Das Fahrzeug wurde von einer Bayreuther Möbelfabrik neu erworben und erstmalig mit dem Kennzeichen A B 338-402 am 28.9.1951 zugelassen. Nach dem Dienst als Direktionswagen wurde das Fahrzeug 1956 auf Dieselmotor umgerüstet und im Aussendienst eingesetzt. 1958 übernahm ein Fuhrunternehmer aus Rehau dieses Fahrzeug, der es 1962 an einen Viehkaufmann aus Selb weiterverkaufte, der den Wagen bis 1971 benutzt hat. Nachweislich muss das Fahrzeug in dieser Zeit fast 500tkm zurückgelegt haben. 1978 konnte ich die Reste in teilzerlegtem Zustande günstig erwerben. Restaurierung: Dies ist mein Erstlingswerk im Wiederaufbau eines alten Fahrzeuges. Um 1980 befand sich das Oldtimer-Hobby in den Kinderschuhen, Ersatzteile waren kaum zu beschaffen und das Unverständnis der Mitbürger gesichert. Die erforderlichen Schweissarbeiten an Türen und Rahmen wurden ebenso wie Lackierung und Polsterarbeiten in Fachwerkstätten durchgeführt, die Renovierung der Mechanik erfolgte unter Mithilfe von Freunden aus dem KFZ-Gewerbe in der heimatlichen Garage, wobei ein OM636-Motor anstelle das nicht mehr reparierbaren 38PS-Diesels eingebaut wurde. Die Arbeitsqualität der Fachwerkstätten ließ einige Wünsche offen und die Ersatzteilsituation war so schlecht, daß z.B. einige Gummis erst Jahre später erneuert werden konnten. Besonders mühsam waren einige Spuren der Vorbesitzer zu beseitigen, so z.B. das lackierte Armaturenbrett in DC-fix holzfarbig, dafür alle Hölzer dick scharz bepinselt. Sogar die alten Reifen wurden - weißwand-runderneuert - wieder verwendet. Irgendwie war das Fahrzeug dann 1981 fertig ... Erfahrungen: Das Fahrzeug war von 1981 bis 1996 normal zugelassen, die Öko-Strafsteuer für Dieselfahrzeuge zwang mich zur Umstellung auf das rote Oldie-Sammlerkennzeichen. Bis heute habe ich mit dem Wagen mehr als 100tkm nahezu störungsfrei zurückgelegt, lediglich Lima, Anlasser und Regler bedurften der Reparatur und recht bald war auch der Hauptbremszylinder defekt. Die oben erwaehnten (mittlerweile uralten) Reifen fahre ich immer noch. Für fast ein Dutzend Brautpaare diente der Wagen als Hochzeitskutsche, viele, viele Pokale habe ich mit diesem Fahrzeug auf Oldtimer-Ausfahren gewonnen. All die Jahre und Kilometer seit der Renovierung haben Spuren hinterlassen, irgendwann werde ich den Wagen wohl nochmals überholen müssen. Ein Wasserpumpen-Schaden hat 2002 für eine neue Kopfdichtung, neuen Glühkerzen und mehrfachen Wasserpumpenwechsel gesorgt - jetzt ist erst mal wieder Ruhe eingekehrt. Sieht man vom penetranten Nageln des Diesels mal ab, so bringt einen das Fahrzeug stressfrei und gemütlich wie ein Ozeandampfer mit 6-8l Diesel / 100km überall hin, unkaputtbar wie eine Burg und bequem wie das Sofa zuhause. Hier spürt man noch die Mercedes-Qualität ! Nur die Autobahn, die sollte man besser meiden, nicht etwa, weil man von fast jedem LKW überholt wird, nein weil das Fahrwerk die Spurrillen dort so gar nicht mag. Problematisch ist - wie bei allen Alt-Dieseln - dass die Einspritzpumpe von den langen Standzeiten nicht sonderlich angetan ist, irgendwann beginnt das Rußen bei Volllast ... Aber jetzt, 132tkm und 30 Jahre nach der "Wiederinbetriebnahme", muß einiges gemacht werden: Der Dachhimmel ist dringendst zu erneuern, die Seitenverkleidungen sind nicht viel besser, und neue Schonbezüge der Sitze sind überfällig. Die vorderen Kotflügel haben Vibrationsrisse und müssen geschweißt werden und warum der Bock nach langer Standzeit so schlecht anspringt, habe ich noch nicht gefunden. Da eine Langstrecken-Hochzeitsfahrt ansteht, muß ich da wohl ran. Und die Reifen, 1980 runderneuert, sollte man wohl besser mal ersetzen ...
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